Corona-Virus - Nicht mehr bei der Sonntagsmesse - Was tun?



Öffentliche Messen und Gebetsversammlungen werden abgesagt. In Frankreich werden alle Restaurants und Cafes geschlossen. Die Grenzen zwischen mehreren Ländern sind geschlossen worden. Ich habe so etwas noch niemals erlebt. So stelle ich mir Kriegszeiten vor. Manchmal denke ich: So ähnlich muss es gewesen sein, als in früheren Zeiten die Pest ausgebrochen ist.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat unser Leben
in wenigen Tagen äußerlich drastisch verändert.

Immer mehr wird mir bewusst, wie schlimm es für viele Gläubige sein muss, wenn sie nicht mehr zur Messfeier gehen und Christus nicht mehr in der Kommunion empfangen können. Es fühlt sich an, wie wenn man abgeschnitten von Gott ist, der Quelle des Lebens, der Liebe. Ich überlege, was ich als Priester tun könnte bzw. sollte. Die Situation ist allerdings komplizierter als sie auf den ersten Blick scheint. Das Hauptanliegen der Regierung und der Bischöfe macht Sinn: Unser Verhalten muss sich derart ändern, dass Neuinfektionen kaum noch möglich sind. Also auf soziale Kontakte möglichst verzichten.

Was kann man nun tun in dieser Situation? Wie kann man das geistliche Leben, die Verbindung zu Gott, so gut wie möglich weiterführen? Hier drei Möglichkeiten, die jeder zu Hause praktizieren kann.

Acht bewährte Möglichkeiten 
für ein tiefes geistliches Leben zu Hause

1) Privater Gottesdienst zu Hause

Aus meiner Kindheit sind mir in der Advents- und Fastenzeit die Hausgottesdienste in der Familie vertraut. Ohne Zweifel haben sie dazu beigetragen, den Glauben in unserer Familie gestärkt und lebendig zu halten.
Die Erzdiözese Wien hat Materialien zum Download bereit gestellt:
https://www.erzdioezese-wien.at/pages/inst/14431713/gottesdienstsakramente/netzwerkgottesdienst/article/81220.html

Zu einer solchen Feier zu Hause empfehle ich folgende Elemente:

  1. Singe ein Lied
  2. Bete das Schuldbekenntnis
  3. Die Sonntagslesungen werden vorgelesen (siehe Link oben oder z.B. unter https://evangeliumtagfuertag.org/DE/gospel/2020-03-15 
  4. Lies einige Gedanken dazu vor
    (selber Link oder https://www.meditationen.org/index.phtml?page=archiv: hier mit Gebetsimpulsen passend zu den Lesungen)
  5. Sprich das Glaubensbekenntnis
  6. Sprich einige Fürbitten aus
  7. Mach eine geistliche Kommunion. Hier ist ein Gebet dazu:

GEISTLICHE KOMMUNION
Mein Herr, ich glaube, dass du wirklich im Sakrament des Altares gegenwärtig bist. Ich liebe dich über alles und möchte dich empfangen. Weil ich dich jetzt nicht im Sakrament empfangen kann, komm wenigstens geistlicherweise in mein Herz. Bleibe bei mir und lass nicht zu, dass ich jemals von dir getrennt werde. Amen.

Das kann man auch mehrmals am Tag beten. Dazu sollte man sich sammeln und im Herzen einen Akt der Anbetung Gottes vollziehen. Sehr wertvoll in dieser Zeit.


2) Nimm an einer Hl. Messe online teil

Und verhalte dich so, als wärest du in der Kirche bei der Messe dabei. Wenn der Priester kommuniziert, mach eine geistliche Kommunion.

Es werden viele Messen per Livestream ausgestrahlt, so dass eine gewisse Verbundenheit möglich ist!

Hier eine Liste mit vielen Links zu Heiligen Messen per Livestream: https://www.erzdioezese-wien.at/site/nachrichtenmagazin/schwerpunkt/kircheundcorona/article/81099.html


3) Besuche Jesus im Tabernakel

Diesen Tipp hat der hl. Pfarrer von Ars vielen Menschen gegeben: Nimm dir ein paar Minuten Zeit und gehe tagsüber in eine Kirche. Geh nahe hin zum Tabernakel: Dort wartet Jesus auf dich. Sprich mit ihm. Bete zu ihm Bitte ihn und danke ihm.

Ein schönes Gebet, das dir dabei helfen kann, ist "Eine Viertelstundebeim Allerheiligsten".


4) Bibel lesen

Die Bibel ist das lebendige Wort Gottes. Unzählige Menschen haben durch das Lesen in der Heiligen Schrift zum Glauben an Jesus gefunden. Und wer schon glaubt, der sollte seinen Glauben täglich nähren, unter anderem mit dem Wort Gottes.

Es ist sinnvoll, am Sonntag die Lesungen des Sonntags zu lesen. Während der Woche kann man auch eines der Evangelien fortlaufend durchlesen oder einen Brief aus dem Neuen Testament.

Es ist empfehlenswert, dass man vor dem Beginn des Lesens kurz zum Heiligen Geist betet. Denn Er ist es, der uns Licht und Erkenntnis schenkt, damit wir verstehen, was Gott uns in der Bibel mitteilen möchte. Und der Heilige Geist schenkt uns auch die Gabe, dass wir das Wort gläubig annehmen und tatsächlich in unserem Leben umsetzen.

5) Der Rosenkranz

Der Rosenkranz ist ein Power-Gebet. Es hat viele Vorteile.
  • Man kann es gut alleine oder in Gemeinschaft beten.
  • Durch den meditativen Charakter bekommt man leichter Frieden im Herzen und kann dadurch zu einer tieferen Verbindung mit Gott gelangen.
  • Man kann den Rosenkranz gut als Fürbittgebet in persönlichen oder gemeinschaftlichen Anliegen beten.
  • Manche junge Leute beten den Rosenkranz sogar während des Joggens. Ich bete ihn z.B., während ich durch die Straßen der Stadt gehe.

6) Das Stundengebet

Mehrere Päpste haben empfohlen, dass auch die Laien das Stundengebet beten. Es ist eine sehr wertvolle Art zu beten. Seit das Stundengebet auf den Smartphones als App zur Verfügung steht, ist der Zugang extrem einfach geworden!

Das Stundengebet ist echt liturgisches Gebet! In der Liturgie handelt Christus selbst. Im Stundengebet wird unser Gebet (= das Gebet der Kirche, der Braut Christi) mit dem Gebet des Bräutigams (= Christus) vereint. Das Stundengebet gibt uns einen echten Anteil an dem ewigen Lobpreis, der in der Heiligen Dreifaltigkeit erklingt. 

In deutscher Sprache stehen zwei Apps zur Verfügung:
Stundenbuch-App (enhält sogar die Noten der Psalmen)

Radio Maria / Radio Horeb strahlen täglich Laudes, Vesper und Komplet aus. Da kann man auch sehr einfach und angenehm mitbeten.
Auf www.erzabtei.de/live kann man täglich das Stundengebet der Benediktinermönche von St. Ottilien mitbeten.


7) Gewissenserforschung

Am Abend sollte man den vergangenen Tag im Licht des Glaubens Revue passieren lassen. Das wird von allen Meistern des geistlichen Lebens sehr empfohlen.

  1. Zuerst ist es gut, wenn man Gott dankt für die "Gnaden" des Tages: für Schönes, für Gelungenes, auch für Schweres; für Seinen Beistand.
  2. Es wäre optimal, wenn man zu erkennen versucht, wie und wann Gott an diesem Tag zu mir "gesprochen" oder in meinem Leben "gehandelt" hat. Also das Wirken Gottes in meinem Leben erkennen und wertschätzen.
  3. Dann betrachtet man den Tag auch im Hinblick darauf, ob und in wie weit man den Einsprechungen des Heiligen Geistes treu war oder wo man ohne oder gegen Gott gelebt hat bzw. gesündigt hat. 
  4. Schließlich fasst man noch einen konkreten Vorsatz für den nächsten Tag.


8) Lobpreis

Singe Lobpreislieder! Das erhebt die Seele zu Gott und vertreibt trübe Gedanken. Lobpreis verändert die persönliche Einstellung und auch äußere Situationen! Es gibt viele Zeugnisse dazu.



Diese 8 Mittel sind gut geeignet, um auch in Zeiten, in denen man an einer Heiligen Messe nicht physisch teilnehmen kann, dennoch ein tiefes geistliches Leben zu bewahren.

Übrigens haben die Bischöfe in Österreich die Sonntagspflicht aufgehoben. Man begeht also keine Sünde und verliert nicht die notwendige Gnade, wenn man nicht an der Messe teilnimmt / teilnehmen kann. Aber im christlichen Glauben geht es ja nicht um das Minimum, sondern darum, wie ich - in der jeweiligen Situation - am besten meinen Glauben leben kann. Dazu können die Mittel, die ich vorgeschlagen habe, eine Hilfe sein.

Was sind Ihre / deine Ratschläge, wie man zu Hause das geistliche Leben lebendig erhalten kann?

Gerne bete ich für Ihre / deine Anliegen: in der Heiligen Messe, beim Rosenkranz, beim Stundengebet.

Dein Bruder in Christus,
P. Joachim Richter LC

Kommentare


  1. Vielen Dank! Es war sehr erleuchtend und die Vorschläge sorgfältig dargestellt.
    Mein Vorschlag:
    Online Rosenkranz über einen Kanal, der auch später über YouTube verbreitet werden kann.
    Als Beispiel:
    https://youtu.be/eI1S_qIAIOg

    Freundliche Grüße
    Ana Helena Botelho

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